13. Februar 2010

Toni ist Mama | Tagebuch Teil 1

Layla

“Nun sind es nur noch noch genau 7 Tage bis zum errechneten Geburtstermin.”, schrieb Toni vor 14 Tagen. Und jetzt? Toni ist Mama und Paul ist Papa :)

Hier ein Tagebuch dessen was uns in den letzten Tagen widerfahren ist.
Da wir so viel erlebt haben splitte ich diesen Beitrag in 2 Teile, da es sonst etwas viel auf einmal wäre :)

Tagebuch Teil 1 | Der große Tag, 06.02.2010
Morgens, gegen 6:00 Uhr weckte mich Toni und guckte mich wie ein Auto an. Ihr fehlten die richtigen Worte um mir zu beschreiben was los sei…
Nach einiger Zeit verstand ich – Blasensprung? “Nein, ich weiß nicht so genau, es war nicht so wie beschrieben”, sagte Sie. Nachdem sie mir alles beschrieben hat, habe ich auf unseren schlauen Zettel des Geburtsvorbereitungskures geguckt um mir die Informationen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Da war dann klar, das es heißt die Uhr zu beobachten und zu checken ob es so genannte Übungswehen sind, oder schon “echte”.

Nach ca. 2 Stunden Beobachtung entschlossen wir uns in die Charité-Mitte zu fahren – sicher ist sicher. Ich rief meine Mama und Stefan an, die nach ca. 1 Stunde da waren. In der Zwischenzeit sammelte ich nochmal alle Dokumente zusammen, stellte unseren Trolly, sowie die Seracell-Box an die Tür und ging nochmal mit dem Hund spazieren. Toni hat sich in der Zwischenzeit “gemütlich” auf die Couch gelegt und weiter die Uhr beobachtet.

Als Stefan dann hier war und er uns in die Charité-Mitte fuhr, wurde mir im Auto erstmals bewusst, das es sein kann, das ich unsere Wohnung das letzte Mal als “Nicht-Papa” verlassen habe. Es machte sich kurze Zeit etwas Angst breit, ob man denn in seinem Leben alles richtig gemacht hat und seiner Tochter ein gutes Vorbild sein kann usw. Die Gedanken verflogen sehr schnell wieder als Tonis Wehen stärker wurden und sie eine stärkende Hand brauchte…

In der Charité-Mitte angekommen, wurden wir quasi mit offenen Armen empfangen, weil die meisten Hebammen wussten das wir innerhalb der nächsten 48 Stunden so oder so dort “vorsprechen” werden.

Aufgrund dessen das Tonis Mama dort seit ca. 10 Jahren als MDA im Kreissaal arbeitet, hatten wir das Glück das wir alle Dokumente zur Anmeldung schon vor einiger Zeit ausgefüllt haben und das jetzt nicht mehr machen mussten. Klar, welche Frau hat Lust, während Ihrer Wehen, Fragen über ihre Vergangenheit zu beantworten, ob es denn Probleme mit Medikamenten, Behandlungen, Knochenbrüchen usw. gab. Wer die Möglichkeit hat, sollte das vorher ausfüllen und einfach mal die Hebammen vor dem “wichtigen Tag” fragen ob es machbar wäre. Wie beschrieben waren alle Unterlagen fertig, und die Anmeldung ging extrem schnell.

Es folgte die erste Untersuchung.
CTG, Bauch abtasten und alles dazugehörige stand auf dem Tagesplan. 40 Minuten später war klar – wir bleiben hier. Für mich folgte die erste längere Wartezeit. Toni durfte nochmals duschen gehen, und sie hat sich auf die nächsten Stunden Ihres Lebens vorbereitet. Dieses Prozedere hat ca. 2 Stunden gedauert, weil Toni auch gerne etwas länger duscht ;)

Später wurde Toni in den Kreissaal geschoben und wieder an das CTG gehangen.
Nun galt es Ruhe zu bewahren und meinen Gedanken nicht freien Lauf zu lassen. Das hätte für Verwirrungen gesorgt, was in diesem Moment einfach wirklich fehl am Platz ist. Also haben wir uns darüber erfreut wie schön die Luft im Kreissaal war und das man dieses “Zimmer” als gemütlich bezeichnen kann. Zwischendrin kamen und gingen die Wehen, die mit der Zeit immer stärker wurden. Hier muss ich sagen, das es besonders für mich gut war, den Geburtsvorbereitungskurs besucht zu haben, denn so konnte ich Toni mitteilen wie sie zu atmen hat. Sie klinkte sich in meine Atmung ein und so haben wir die Wehen begrüßt und verabschiedet, das über mehrere Stunden hinweg – perfekt möchte ich meinen :)

In regelmäßigen Abständen kam eine Hebamme in den Kreissaal und checkte wie weit der Muttermund schon geöffnet ist. Ebenso haben sie uns gut zugesprochen und uns seelischen Beistand geleistet. Das war wirklich toll, wie die Hebammen der Charité-Mitte das gemacht haben. Ich für meinen Teil kann sagen das ich mich geborgen gefühlt habe. Ich denke das es Toni ebenfalls so ging.

Gegen 19:00 Uhr ging es dann richtig los.
Als die Hebamme wieder kam um Toni ein Gel zu geben was die Wehen weiter fördert, stellte die fest das der Muttermund schon 4-5cm geöffnet ist – sie packte Gel wieder ein – und war sehr erstaunt dass das auf einmal so schnell ging. Toni wurde darauf hin innerhalb des Kreissaals umgebettet auf das richtige “Kreisbett”. Die Wehen wurden stärker und stärker. Toni hatte allerdings das Problem das sie den “Pressdrang” nicht unterdrücken konnte. Die Hebamme ließ eine Badewanne ein, damit Toni noch die Möglichkeit hat länger zu entspannen. Als die Badewanne fertig war und die Hebamme nochmals checkte wie weit der Muttermund jetzt geöffnet ist, staunte sie nicht schlecht, weil sich dieser in SEHR kurzer Zeit weitere 2 cm geöffnet hat. Die Hebamme sagte nun das die Badewanne passé sei und Toni jetzt nirgendwo mehr hin geht, stattdessen Ihre Atmung langsam umstellen darf in Richtung Pressatmung…

Gegen 21:30 Uhr, ich weiß es leider nicht mehr genau, gingen die eigentlichen Presswehen los. Ab da an ging alles extrem schnell. Dies war gleichzeitig aber auch der härteste Teil für Toni, ebenso für mich als Beistandsperson. Es ist ein komisches Gefühl zu sehen wie die eigene Frau schmerzen hat und gerade das Höhstmaß der Natur durchlebt und man kann nichts weiter machen, ausser zu sagen wie lange sie pressen und atmen soll.
Die letzten 30 Minuten waren wirklich Extremsport. Pressen, atmen, pressen, entspannen, pressen, atmen und so weiter…
Während der “Extremsportphase” hat Toni einen Dammschnitt bekommen, den sie zwar gemerkt hat, der aber in dem Moment keinerlei schmerzen verursachte, weil die kleine schneller raus wollte als der Körper zuließ…

22:03 Uhr war es dann geschafft…
Layla erblickte das Licht der Welt und es folgte der erste kleine Schrei :)
Als Hebamme Renate, die übrigens schon Toni zur Welt brachte, mich fragte ob ich die Nabelschnur durchschneiden will, war ich nochmals extrem nervös. Wie fühlt sich das an? Wie wenn man Papier durch schneidet, wie Pappe, oder ganz anders? Das waren die Fragen die mir kurzzeitig durch den Kopf schossen. Ich nahm die Schere und fing an zu schneiden. Dieses Gefühl von dem ich Sprach gab es nicht. Ich kann einfach nicht beschreiben wie sich das anfühlt – einzigartig!!!

Nachdem die Nabelschnur durchtrennt war, hieß es sich um die Nachgeburt zu kümmern. Während ich mit einer Hebamme die kleine Layla gewogen und vermessen habe, haben sich 2 weitere Hebammen um die Nachgeburt gekümmert. Und hier passierte genau das, warum ich von vorn herein immer für Krankenhäuser bin, bei Geburten!!! Die Nabelschnur riss ab und die Plazenta musste durch einen Eingriff Manuel geholt werden…

Hier zahlt es sich aus, das die Charité-Mitte hochrangige Ärzte hat, denn der Kreissaal wurde innerhalb von wenigen Sekunden zu einem OP umgebaut und Toni wurde operiert. Ich saß derweil mit meiner Tochter im Arm im Gang und wir haben darauf gewartet das Layla bald wieder zu Ihrer Mama an die Brust darf. Das war eine Art der Gefühle die extrem paradox waren. Monster Freude über das Neugeborene, selbst noch von der Rolle und gleichzeitig aber Sorge um die eigene Frau, weil man nicht weiß was da gerade im OP passiert und eventuell wie das ausgeht.

2 Stunden später war dann alles vorbei und Toni ging es den Umständen entsprechend sehr gut. Layla war ebenfalls glücklich und hing erstmal eine halbe Ewigkeit an Mamas Brust. Weitere 2 Stunden später und der Beobachtung ob die Spinalanästhesie nachlässt, wurden klein Layla und Toni auf die Geburtenstation gebracht zum schlafen.

Was dann weiter passierte und wie die restlichen Tage in der Charité-Mitte waren, erfahrt im 2. Teil des Tagebuches…

laylahand

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